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News

Datum:
06.08.2020 – 14:29

Autor:
Claus Püschel

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Immer mehr Pflegeheimbewohner auf Sozialhilfe angewiesen

VOLKSSOLIDARITÄT Spruchband
Pflegeheim der VOLKSSOLIDARITÄT RV Torgau / Oschatz e.V. am Martin-Luther-Ring in Torgau

Bewohner von Pflegeheimen müssen einen immer höheren Eigenanteil aufbringen. In den vergangenen drei Jahren sind die Eigenanteile bundesweit in der stationären Pflege um mehr als 30 % gestiegen. Aus am 4. August bekannt gewordenen Zahlen des Statistischen Bundesamtes geht hervor, das bundesweit 36 % aller rund 818.000 Heimbewohner in Deutschland Sozialhilfe benötigen, weil sie aus eigener Kraft den Eigenanteil nicht bezahlen können. In Sachsen betrifft diese Situation fasst jeden vierten Bewohner einer Pflegeeinrichtung. Zum Eigenanteil gehören Zuzahlungen für Pflege, Betreuung, Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie anteilig auf die Heimbewohner umgelegte Investitionskosten der Einrichtungen und Ausbildungskosten. Die finanziellen Belastungen für die Heimbewohner sind zwischen den Bundesländern sehr unterschiedlich.

Zum Stichtag 1. Juli müssen Pflegebedürftige in Sachsen für einen Heimplatz nunmehr 1.621 € bezahlen. Ein Heimplatz in Nordrhein-Westfalen ist mit durchschnittl. 2.405 € am teuersten. Der bundesweite Durchschnitt liegt aktuell bei 2.015 €. Im Januar 2018 lag dieser Betrag noch knapp 250 € niedriger.

In Deutschland verdienen ca. zehn Mio. Menschen zu wenig, um später eine Rente oberhalb der Grundsicherung, im Durchschnitt zurzeit 841 €, zu erreichen. Pflegebedürftige müssen für die Heimunterbringung immer höhere finanzielle Belastungen tragen. Angehörige, Gewerkschaften, Sozial- und Wohlfahrtsverbände sind alarmiert und kritisieren Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für diese "Politik der Kostensprünge." Der Minister beabsichtigt im Herbst die Diskussion um eine grundlegende Finanzreform in der Pflege neu zu starten.


Als bedeutender Anbieter stationärer Pflege weist die VOLKSSOLIDARITÄT Landesverband Sachsen an dieser Stelle zum wdh. Male auf die Problematik der Altersarmut hin. Das Armutsrisiko für pflegebedürftige Menschen steigt fortan. Entlastungen für pflegebedürftige Bürgerinnen und Bürger sind nicht in Sicht. Die Pflegeberufe sollen insbesondere über Lohnsteigerungen attraktiver werden. Berechtigte Lohnsteigerungen in der Altenpflege können aber nicht in unverhältnismäßiger Höhe von den Pflegebedürftigen getragen werden. Ausreichend Personal und flächendeckend tarifliche Bezahlung dürfen nicht dazu führen, dass gute Pflege unbezahlbar wird. Notwendig wäre eine Pflegevollversicherung, welche alle für die Pflege notwendigen Kosten abdeckt inkl. Deckelung der Eigenanteile.

→ Weitere Infos:
▪   Finanzierung der vollstation. Pflege, Leistungen der sozialen Pflegeversicherung und Eigenanteil in EUR 1. Juli 2020
▪   Finanzielle Belastung eines Pflegebedürftigen in der stationären Pflege in EUR je Monat 1. Juli 2020

Quelle: www.vdek.com